Chinas Digitale Seidenstraße in Lateinamerika
Löst der Handel mit Technologie bald Investitionen in Rohstoffe und Infrastruktur ab?
Chinas Einfluss in Lateinamerika und der Karibik nimmt rasant zu. Nach seinen Investitionen in Rohstoffe (Bergbau, Erdöl, Soja), Kreditvergabe und Infrastruktur (Häfen, Straßen, Energie) gewinnt es zunehmend Marktanteile in Schlüsselbereichen wie 5G, Tiefseekabeln, Cloud-Computing und Überwachungstechnologie.
Tech-Giganten wie Huawei, ZTE und Alibaba verändern die Region. In Mexiko triumphiert der Uber-Konkurrent Didi. Huawei baut in Brasilien eine Handyfabrik und betreibt in Chile Cloud-Computing-Zentren. In Ecuador und Bolivien nutzt der Staat Überwachungstechnologie aus China.
Seit dem Jahr 2000 hat sich das Handelsvolumen mit der Region vervielfacht. Für Brasilien, Chile und Peru ist China inzwischen der wichtigste Exportmarkt. Chinesische Wirtschaftsinteressen konzentrierten sich zunächst auf Rohstoffe (Bergbau, Erdöl, Soja) sowie die Vergabe von Krediten. Für die Länder der Region öffneten sich neue Märkte und politischer Handlungsspielraum gegenüber der EU und den USA. Ein wichtiger Aspekt mit Blick auf die koloniale und imperiale Vergangenheit. Mit der Neuen Seidenstraße, dem außenpolitischen Kernstück von Xi Jinping, verändert sich Chinas Engagement in der Region seit 2015 rasch. Chinas wirtschaftliche Interessen weiteten sich auf Infrastrukturprojekte wie Häfen und Straßen aus und umfassen auch die Stromerzeugung und -verteilung und die Energiewende. In diesem Kontext entsteht der Begriff der digitalen Seidenstraße.
Der Vortrag befasst sich mit den Fragen: Welche Möglichkeiten bietet die Digitale Seidenstraße für die Region und welche reale und potenzielle Auswirkungen auf Menschenrechte existieren? Löst der Handel mit Technologie bald Investitionen in Rohstoffe und Infrastruktur ab?
Wird die Digitale Seidenstraße bald Investitionen in Rohstoffe und Infrastruktur ablösen? Was bedeutet sie, insbesondere für Wirtschaft und Menschenrechte?
Zum Referenten: Diego Steinhöfel ist freiberuflicher Politologe. Als Projektverantwortlicher für Mexiko und Cuba arbeitete er bei Brot für die Welt und zuvor als Berater bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Am Centre for Latin American Research and Documentation (CEDLA, UvA), war er als Co-Autor an der Veröffentlichung von drei Berichten zu Chinas wachsender Rolle in Lateinamerika und der Karibik beteiligt. Er hat einen Master in Lateinamerikastudien der Universität von Amsterdam.
VeranstalterInnen: Lateinamerika-Arbeitskreis des Nord Süd Forum München e.V., Diego Steinhöfel als Referent
Die Veranstaltung findet im Rahmen des Themenjahres „München für Menschenrechte“ zum 75-jährigen Jubiläum der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte statt.