Frieden verteidigen: Menschenrechte, Land und Gemeinschaft in Kolumbien

Mitglieder der Friedensgemeinde San José de Apartadó berichten über ihre Erfahrungen

Seit fast 30 Jahren lebt die Friedensgemeinde San José de Apartadó gewaltfrei inmitten eines bewaffneten Konflikts in Kolumbien. Trotz Vertreibungen, Bedrohungen und Gewalt verteidigt die Gemeinschaft ihr Land, ihre Autonomie und ein solidarisches Zusammenleben.

Mit Martha Vásquez Rivera und Germán Graciano Posso berichten zwei Mitglieder der Gemeinschaft über Menschenrechte, Friedensarbeit, Landkonflikte und den alltäglichen Widerstand.

Über die Veranstaltung

Die Friedensgemeinde von San José de Apartadó aus dem Norden Kolumbiens steht seit fast drei Jahrzehnten für einen konsequent gewaltfreien Widerstand gegen Krieg, Vertreibung und Umweltzerstörung. In einem stark militarisierten Konfliktgebiet verteidigt die kleinbäuerliche Gemeinschaft ihr Recht auf Land, Selbstbestimmung und ein Leben in Würde – ohne mit bewaffneten Akteuren zu kooperieren.

Trotz Massakern, Vertreibungen und anhaltender Bedrohungen ist die Gemeinschaft auf ihrem Territorium geblieben. Sie organisiert sich basisdemokratisch, produziert ihre Lebensmittel selbst, schützt ihre Wälder und lebt solidarische Formen des Zusammenlebens. International gilt sie als bedeutendes Beispiel für zivile Friedensarbeit und kollektive Selbstorganisation.

Am 20. und 21. Juni 2026 sind Martha Irene Vásquez Rivera und Germán Graciano Posso zu Gast in München. Beide sind seit vielen Jahren Teil der Friedensgemeinde und engagieren sich für Menschenrechte, Bildung, den Schutz des Territoriums sowie die Stärkung der Rechte von Frauen und Jugendlichen.

Die Veranstaltung bietet Raum für Austausch zu folgenden Schwerpunkten:

- aktuelle Menschenrechtslage in Kolumbien

- Landkonflikte und extraktivistische Großprojekte

- Herausforderungen des Friedensprozesses

- zivile Konfliktbearbeitung und internationale Solidarität

Darüber hinaus bietet der Abend die Möglichkeit, die Perspektiven für Friedensaufbau und soziale Gerechtigkeit im Kontext der Präsidentschaftswahlen in Kolumbien im Mai 2026 zu reflektieren. Gemeinsam möchten wir diskutieren, welche politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen sich derzeit für Frieden, Menschenrechte und ländliche Gemeinschaften ergeben.

Ein Abend über Widerstand, Hoffnung und die Frage, was wir von gemeinschaftlicher Friedensarbeit lernen können.

Über die Gäste

Martha Irene Vasquez Rivera
Martha ist Mitglied des achtköpfigen Leitungsgremiums der Friedensgemeinde. Sie ist Gründungsmitglied der Gemeinschaft und war viele Jahre als Lehrerin in der alternativen, unabhängigen Schule der Gemeinde tätig. Sie richtet in der Erziehung ein besonderes Augenmerk auf die gleichberechtigte Teilhabe von Mädchen in Führungsrollen. Martha ist auch Teil einer Arbeitsgruppe, die sich mit der Rolle der Frauen in der Geschichte und Gegenwart der Friedensgemeinschaft beschäftigt.

Germán Graciano Posso
Germán ist der legale Repräsentant der Friedensgemeinde von San José de Apartadó. Germán hat selbst 13 nahe Familienangehörige, darunter seinen Vater und zwei Brüder, durch den Konflikt verloren. Aufgrund seiner Menschenrechtsarbeit ist er ständigen Drohungen ausgesetzt. Am 29. Dezember 2017 überlebte er einen Mordversuch durch mutmaßliche Paramilitärs (AGC). Seit den Ermordungen zweier Gemeinschaftsmitglieder 2024 organisiert er die Weiterbewirtschaftung des betroffenen Sitzes. Germán setzt sich besonders für die zivile Integration und Teilhabe Jugendlicher ein, um Rekrutierungen von diversen bewaffneten Gruppen entgegenzuwirken.

Weitere Informationen zur Friedensgemeinschaft San José de Apartadó finden Sie hier: https://cdpsanjose.org/

Mitveranstaltende
Aluna Minga e.V., Nord Süd Forum München e.V., Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit e.V., Pro REGENWALD e.V., PBI Deutschland

Kontakt: neuepost@pro-regenwald.de