Rundreise (2026): „Buen Vivir" das gute Leben verteidigen – Kämpfe um Autonomie und Würde in Mesoamerika“
Auch 2026 organisiert das Ökumenische Büro für Frieden und Gerechtigkeit wieder eine Speakerstour mit Gästinnen aus Mesoamerika. Gemeinsam mit unseren langjährigen Partnerorganisationen in Honduras und Mexiko möchten wir aktuelle Kämpfe gegen Landraub, Extraktivismus, koloniale Kontinuitäten und kapitalistische Entwicklungsmodelle sichtbar machen und den direkten Austausch zwischen Aktivist*innen aus Mesoamerika und solidarischen Bewegungen in Deutschland ermöglichen.
Die Gästinnen
Mabel Robledo (OFRANEH, Honduras)
Mabel Robledo ist Garífuna-Aktivistin und Menschenrechtsverteidigerin aus Nueva Armenia an der Karibikküste Honduras. Als Mitglied von OFRANEH (Organización Fraternal Negra Hondureña) setzt sie sich für die Verteidigung der Territorien, Land- und Fischereirechte sowie die kulturelle Selbstbestimmung der Garífuna ein. Aufgrund ihres Engagements war sie wiederholt Bedrohungen, Kriminalisierung und Gewalt ausgesetzt. Sie wird über die aktuellen Herausforderungen der Garífuna-Gemeinschaften berichten und Einblicke in Projekte wie die autonome Gemeinde Vallecito geben.
Esther Sulub (Centro Comunitario U Kúuchil K Ch'i'ibalo'on, Mexiko)
Esther Sulub ist Maya-Aktivistin, Kulturvermittlerin und Kunsthandwerkerin aus Felipe Carrillo Puerto in Yucatán. Sie engagiert sich für die Weitergabe traditionellen Wissens, Ernährungssouveränität, den Schutz indigener Territorien und die Bewahrung der Maya-Kultur. In ihrer Arbeit setzt sie sich kritisch mit den Auswirkungen von Megaprojekten wie dem sogenannten Tren Maya auseinander und zeigt gleichzeitig gemeinschaftliche Alternativen im Sinne des „Buen Vivir“ auf.
Inhaltliche Schwerpunkte der Tour
Die Tour steht unter dem Titel „Das Gute Leben verteidigen – Kämpfe für Autonomie und Würde in Mesoamerika“.
Im Mittelpunkt stehen:
Kämpfe indigener und afroindigener Gemeinschaften um Land, Territorien und Selbstbestimmung
Auswirkungen von Megaprojekten, Tourismus, Extraktivismus, organisierter Kriminalität und globalen Wirtschaftsmärkten
Die Rolle Deutschlands und Europas in diesen Zusammenhängen
Menschenrechtsverteidigung und zivilgesellschaftlicher Widerstand
Ernährungssouveränität, kulturelle Selbstbestimmung und gemeinschaftliche Alternativen
Das Konzept des „Buen Vivir“ als Perspektive für soziale und ökologische Gerechtigkeit. Dabei verstehen wir „Buen Vivir“ ausdrücklich nicht als akademisches Leitkonzept, sondern als eine von den betroffenen Gemeinschaften selbst entwickelte und gelebte Praxis. Im Zentrum stehen konkrete Erfahrungen von Selbstorganisation, Territoriumsverteidigung, Ernährungssouveränität, kultureller Identität und solidarischem Zusammenleben. Zugleich soll kritisch diskutiert werden, wie Begriffe wie „Buen Vivir“ oder „grüne Entwicklung“ zunehmend von staatlichen und wirtschaftlichen Akteuren vereinnahmt werden.
Neben öffentlichen Abendveranstaltungen sind je nach Station auch Seminare, Workshops, Fachgespräche, Mediengespräche oder Treffen mit politischen Entscheidungsträger*innen geplant.
Zeitraum
Voraussichtlich: 28. September bis 10. Oktober 2026
Die genaue Route wird gemeinsam mit den beteiligten Gruppen abgestimmt und kann sich noch leicht verändern:
München Auftakt: 28.09.
Salzburg: 29.09.
Exkursion Chiemsee, ländliches Projekt 30.09
Augsburg: 01.10. (Tagesworkshop & Performance, Abendveranstaltung)
Leipzig: 02.10. + einen Ausflug zu einem ländlichen Projekt nahe Leipzig (03.10.)
Berlin: 04.-06.10. + einen Pausetag in/um Berlin (06.10)
Hannover: 07.10.
Frankfurt : 08.-09.10.
Warum diese Tour wichtig ist
Die Kämpfe der Garífuna in Honduras und der Maya-Gemeinschaften in Yucatán sind keine isolierten lokalen Konflikte. Sie stehen beispielhaft für globale Auseinandersetzungen um Land, Ressourcen und Selbstbestimmung. Während Regierungen und Unternehmen Megaprojekte, Tourismusentwicklung oder „grünes Wachstum“ als Fortschritt verkaufen, erleben viele Gemeinschaften vor Ort Vertreibung, Umweltzerstörung, Militarisierung und den Verlust ihrer Lebensgrundlagen.
Gleichzeitig entwickeln diese Gemeinschaften eigene Antworten auf die Krisen unserer Zeit. Sie verteidigen ihre Territorien gegen Landraub und Extraktivismus, organisieren sich kollektiv, bewahren kulturelles Wissen und schaffen konkrete Alternativen zu einem Wirtschaftssystem, das auf Ausbeutung von Mensch und Natur beruht. Für sie bedeutet das „Gute Leben“ nicht mehr Konsum oder wirtschaftliches Wachstum, sondern gemeinschaftliche Fürsorge, Autonomie, Ernährungssouveränität und ein Leben in Würde.
Mit der Tour möchten wir dazu beitragen direkte Begegnungen zu ermöglichen. Nicht als Expert*innen über Mesoamerika, sondern als Raum für Austausch zwischen Menschen, die an unterschiedlichen Orten mit ähnlichen Fragen konfrontiert sind: Wie verteidigen wir unsere Lebensgrundlagen? Wie organisieren wir Widerstand gegen autoritäre, rassistische und kapitalistische Verhältnisse? Und wie können wir internationale Solidarität jenseits symbolischer Unterstützung praktisch werden lassen?
Die Speakerstour versteht sich deshalb als Einladung zum gemeinsamen Lernen, Diskutieren und Vernetzen.
Wir freuen uns sehr über eurer Interesse und darauf, gemeinsam mit euch eine spannende und inspirierende Tour zu erleben!
Kontakt: Alice Wiesholler mex@oeku-buero.de
Mehr Infos unter: https://www.oeku-buero.de/details/rundreise-2026.html