Warum wir uns nicht an der Munich Climate Week beteiligen

Klimaschutz braucht unternehmerische Verantwortung – und eine unabhängige Zivilgesellschaft.

Die Munich Climate Week möchte Akteur aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammenbringen, um dem Klimaschutz und der sozial-ökologischen Transformation mehr Sichtbarkeit zu verleihen. Dieses Anliegen teilen wir. Dennoch haben wir uns entschieden, uns nicht an der diesjährigen Munich Climate Week zu beteiligen.

Ausschlaggebend sind unsere Bedenken hinsichtlich der Auswahl der Unternehmenspartner, der Transparenz ihrer Beteiligung und der Rolle, die zivilgesellschaftliche Organisationen innerhalb des Formats einnehmen können.

Besonders kritisch sehen wir die Beteiligung des TÜV SÜD als strategischem Partner. Im Zusammenhang mit dem Dammbruch von Brumadinho in Brasilien im Jahr 2019, bei dem 270 Menschen ums Leben kamen, wird die Rolle des Unternehmens juristisch aufgearbeitet. TÜV SÜD hatte den Damm zuvor zertifiziert. Für uns stellt sich deshalb die Frage, wie eine solche Partnerschaft mit dem Anspruch glaubwürdiger Nachhaltigkeit vereinbar ist und wie verhindert werden kann, dass eine öffentlichkeitswirksame Klimaschutzveranstaltung zur Imagepflege von Unternehmen beiträgt, deren Verantwortung für schwerwiegende Folgen ihres Handelns weiterhin Gegenstand der Aufarbeitung ist.

Auch im Zusammenhang mit Volkswagen ClimatePartner und Klimaschutzprojekten in Tansania werden Vorwürfe erhoben, die Fragen nach den Landrechten und Lebensgrundlagen der Massai aufwerfen. Solche Fälle verdeutlichen, dass Klimaschutz nicht losgelöst von Menschenrechten und globaler Gerechtigkeit betrachtet werden kann.

Darüber hinaus sind für uns die Kriterien der Partnerauswahl, die finanzielle und inhaltliche Einflussnahme von Unternehmen sowie die langfristigen Ziele und Ergebnisse der Veranstaltungsreihe bislang nicht ausreichend nachvollziehbar.

Wir lehnen die Beteiligung von Unternehmen an der Klimadebatte nicht grundsätzlich ab. Unternehmen müssen Verantwortung für ihre Klima- und Umweltauswirkungen übernehmen und Teil der notwendigen Transformation sein. Dafür braucht es jedoch überprüfbare Verpflichtungen, transparente Standards und eine kritische Auseinandersetzung mit bestehenden Geschäftspraktiken. Eine öffentliche Plattform allein ist noch kein Nachweis für wirksamen Klimaschutz.

Ebenso wichtig ist eine unabhängige Zivilgesellschaft, die Missstände benennt, globale Zusammenhänge sichtbar macht und die Perspektiven betroffener Menschen einbringt. Zivilgesellschaftliche Beteiligung darf nicht dazu dienen, Unternehmenskommunikation mit zusätzlicher Glaubwürdigkeit zu versehen. Sie muss kritische Distanz ermöglichen und unterschiedliche Machtverhältnisse berücksichtigen.

Als Nord Süd Forum München e.V. setzen wir uns gemeinsam mit unseren Mitgliedsgruppen für globale Gerechtigkeit, Menschenrechte und eine sozial-ökologische Transformation ein. Aus diesem Selbstverständnis heraus halten wir es für notwendig, die genannten Fragen kritisch zu thematisieren. Unsere Entscheidung gegen eine Beteiligung ist deshalb keine Absage an den Klimaschutz, sondern Ausdruck unseres Anspruchs, unternehmerische Verantwortung konsequent einzufordern und die Unabhängigkeit zivilgesellschaftlicher Positionen zu wahren.

Klimaschutz ist nur dann glaubwürdig, wenn er auch Menschenrechte, globale Gerechtigkeit und die Verantwortung wirtschaftlicher Akteur:innen ernst nimmt.

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